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Eine Eigentümlichkeit unseres Ortes, die er mit vielen anderen Dorf- und Stadtgemeinden Thüringens gemeinsam hat, ist die auffallend häufige Wiederkehr bestimmter Familiennamen, die sich in der Hauptsache wohl daraus erklären lässt, dass der Ort bis ins 19. Jahrhundert noch ein fast völlig in sich abgeschlossenes Walddorf war, das auch abseits von größeren Verkehrsstraßen lag. Es sei mir gestattet, die um 1937 am häufigsten vorkommenden Familiennamen in einer kurzen Übersicht aufzuführen.
Es kommen vor die Namen :
Henkel für 56 Familien und etwa 280 Einzelvertreter Hellmann “ 50 “ “ 250 “ Albrecht “ 45 “ “ 220 “ Herrmann “ 42 “ “ 210 “ Hoffmann “ 41 “ “ 205 “ Kühhirt “ 39 “ “ 195 “ Keiner “ 32 “ “ 160 “ Reumschüssel “ 23 “ “ 115 “
Bei einer Gesamtbevölkerung von kaum 2.500 machte die häufige Wiederkehr derselben Namen die Orientierung für den Einheimischen schon außerordentlich schwer, ganz besonders aber für den Ortsfremden, da auch Straßennamen und Hausnummern nicht immer helfen, kamen bis zum Jahre 1927 doch einzelne Hausnummern mit 8 – 10 Buchstaben vor, teilweise sogar mit Doppelbuchstaben. Da wusste sich gesunder Mutterwitz schon in alten Zeiten zu helfen. Man erleichterte sich die Unterscheidung gleicher Namensträger durch Hinzufügen mehr oder weniger witziger Beinamen (Spitznamen). Damit war aber keineswegs die Ermächtigung erteilt, diese Beinamen nun im persönlichen Verkehr mit einander frei zu gebrauchen – ja nichts würde vielmehr die Verständigung aussichtloser gestalten ! Wiederum sind manche dieser Namen aber von so gesundem Mutterwitz geboren, dass ich von dem im Laufe der 12 Jahre mir gekannt gewordenen etwa 100 Beinamen eine kleine Anzahl hier festhalten möchte, wobei ich hoffe, dass die lieben Viernauer es mir nicht nachtragen werden, wenn ich damit etwas „aus dem Dorf“ plaudere. Die hinzugesetzten kurzen Erklärungen stammen zumeist von Eingeborenen, die Sie häufig schon von Ihren Vorfahren übernommen hatten. (Quellennachweis : Ortschronik von Viernau von Georg Neugebauer, Erfurt 1937)
Von den hier angegeben Beinamen beziehen sich :
auf Beruf und mitunter Vornamen eines Vorfahren 1. der Schefter d. i. Sohn oder Enkel eines Gewehrschäfters 2. der Harfer d. i. Nachkomme eines Häfners (Ofenfegers) 3. der Rützechrist Vorfahre fertigte Rützen (Tragkörbe), Sohn hieß Christian 4. der Tütechrist Vorfahre klebt Tüten, Nachkomme hieß Christian 5. Rindersrawedick die Ahne war Kinderfrau (Hebamme), Sohn hieß Michael
auf den eigenen Beruf 1. der alte Putz ein alter Tischler, der Putz (schöne Möbel) fertigte 2. der Putzkaspar ein Sohn desser, der Kaspar hieß 3. der Tütenmacher er klebte früher Tüten in Heimarbeit
auf den eigenen Namen oder Vornamen 1. der Kapper d. i. Kaspar 2. Hannbecks Wilm Sohn Wilhelm des Vaters Hoffmannbeck 3. der Hanswäll Sohn Wolfgang des Vaters Johannes 4. Wällchrist Sohn Christian des Vaters Wolfgang
auf die Wohnung 1. der Wasserhäns wohnt am Wasser (Schönau) und heißt Johannes 2. der Wasserhänsegottreich Sohn des Obigen mit Namen Gottreich 3. der Wasserschlosser wohnt an der Schönau und ist Schlosser 4. der Platzfried wohnt an einem Dorfplatz, heißt Friedrich 5. der Ströther stammt aus der Struth bei Schmalkalden 6. der Spittelkantor wohnt im Armenhaus, singt oft laut
auf besonderen Merkmalen beruhen 1. der Rotsfried hat rötliches Haar, heißt Friedrich 2. der Ellerbest Lieblingssohn der Gromutter (Eller) 3. der Hoomerstiel von kurzer, gedrungener Gestalt
unbekannten Ursprungs sind von einer großen Anzahl die folgenden Beinamen Der Auter, Far, Feuchter, Gemes, Raupert, Stielitz, Täf, Tömes, Tupp
Mit der Orts- und Landesgeschichte steht die Mundart in enger Beziehung. Die Thüringer Mundarten gehören zur großen Gruppe der oberdeutschen. Dr. Kober-Suhl stellte bereits fest, dass die Grenze der mundartlichen Sprachlinie unseres Kreises im V. mit der ehemaligen Grenze des Henneberger Landes zusammenfällt. Er erklärt die kleineren Abweichungen innerhalb unseres Heimatkreises mit der Abgeschlossenheit dieser Gebiete gegeneinander in nachmittelalterlicher Zeit als Amts- oder Gerichtsbezirk oder als Kirchspiel für seine Bewohner, die häufig ihr Leben lang nicht über dieses Gebiet herauskamen. So habe sich nach und nach die Mundart gegen das Nachbargebiet scharf abgegrenzt und in ihrer bsonderen Eigenart erhalten. Auf die Viernauer Verhältnisse übertragen würde das bedeuten, dass der des dicht dabei liegenden Herges-Hallenberg aus der schon früher verschiedenen politischen Zugehörigkeit (hie Henneberg – dort Hessen) hervorgegangen ist, eine Erklörung, die durchaus überzeugt. (Quellennachweis : Ortschronik von Viernau von Georg Neugebauer, Erfurt 1937)
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