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(von Anny Meisterernst Datteln 1900 bis 1933)
Das Leben im kleinen Dattelner Dorfzentrum, wo sich die Fachwerkhäuser um Skt. Amandus duckten, mit dem Tigg als Marktplatz, den alten Amtshaus und einen Steinwurf weiter der Poststation, der Schule neben dem alten Kirchhof und dem kleinen Krankenhaus zwischen Kirche und Pastorat waren überschaubar : keine ausgebauten Straßen, nur die Verbindungsstraßen zum Süden und zur Kreisstadt Recklinghausen. Aber ein Bach plätscherte munter mitten durch das Dorf, vorbei an großen Hausgärten, hier und da von Holzstegen überbrückt. Die Hausgärten mit Gemüse und Blumen waren es auch, die Nachbarn enger zusammenrücken ließen, jeder kannte jeden, und die Nachbarschaftshilfe funktionierte. Da waren Kiärkhüöver (Kirchhöfer Nachbarschaft), die Paohlerörter (Pahlenort), die Hoheströter (Hohe Straße), die Fillörter (Kolpingstraße / Gertrudenstraße / Unter Hohe Straße) und die Tigger (am Tigg).
Anmerkung : Es entstand auch später die “Notroper Noberschop”, hierzu findet man im Hotel-Restaurant Haus Frieding noch einen Wimpel von Heinrich Hahne zur Gildengründung.
Dorfzentrum hieß auch : einige Gastwirtschaften, sonntags Absteige- und Treffpunkt der Dörfler mit den Familien aus den Bauernschaften, wo der Schnaps angetrunken, die Zigarre angeraucht deponiert werden konnte, um nach dem Kirchgang den Rest beim Schwätzchen zu genießen. Neujahr war ganz großer Feiertag, die Gastwirte spendabel, Waschkörbe voller Neujahrshörnchen – Tage vorher mit den langstieligen Eisen im offenen Feuer gebacken – waren ihr Dank für freuen Besuch.
Neben dem Markt (Tigg) als Handelsplatz für Bauern und Kötter mit ihrem Obst und Gemüse, gerupftem Federvieh, Butter, Eiern und lebenden Küken gab es Kolonial- und Kramwarenläden, in denen es zu kaufen gab, was Felder und Gärten für den täglichen Bedarf nicht hergaben. Auch Bäcker und Metzger gab es, doch Brot wurde viel selbst gebacken und der Fleischbedarf der Familien durchweg aus Hausschlachtungen gedeckt; denn rechnen mußten die meisten mit jedem Pfennig. Drum auch Spinnstuben fast in jedem Haus neben der Küche und vielfach noch Webstuhl dazu. Der Weg in die nächste Stadt war weit und zeitraubend. Da ging man zusätzlich über Land mit Kiepe oder Kasten. Naturalien wie Butter, Eier, Wurst und Schinken aus der Hausschaltung wurden angenommen. Sattler, Schmiede, Drechsler. Bauern und Kötter aus dem Ortskern und den zu Datteln gehörenden Bauernschaften Markfeld / Pelkum, Natrop, Klostern, Redde/Hachhausen, Bockum, Hagem, Meckinghoven und damals noch Rapen, darüber hinaus aus Ahsen und Olfen gehörten zu den Stammkunden.
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